Neu denken. Entscheiden. Anders machen.

Warum ein Wechsel der Perspektive für uns überlebenswichtig ist.

Veranstaltungsdatum: 17.09.2022

Stephan Huthmacher

Als vor vielen Jahren die Chaostheorie aufkam, wurde zur Veranschaulichung nicht-linearer Kettenreaktionen gerne das Beispiel des Schmetterlings in Afrika angeführt, dessen Flügelschlag zur Entstehung von Tornados im mittleren Westen der USA führen konnte. Die Parallelen zu den heute als komplex und chaotisch empfundenen Zuständen sind mehr als nur zufällig. Es war zum Beispiel nur ein einziges havariertes Containerschiff in einer der weltweit am meisten befahrenen Wasserstraßen, das für unvorhergesehene Kettenreaktionen, chaotische Zustände, Lieferengpässe sowie Produktionsstopps in vielen Industriezweigen und bei zahlreichen Unternehmen sorgte.  

Sich häufende Extremwetter-Ereignisse in vielen Teilen der Erde verwandeln Märkte und ganze Wirtschaften in Asche und Schlamm – und Umsatzprognosen sowie Geschäftsstrategien in Makulatur. Nicht zuletzt ist der Krieg in der Ukraine in seinen nicht-linearen Konsequenzen kaum abzuschätzen. Nicht geopolitisch, nicht energiepolitisch oder ökonomisch und auch nicht in seinen Auswirkungen auf die globale Ernährungssituation. 

Allein diese Beispiele zeigen: Ein „Weiter so“ ist keine Option mehr! Nicht von ungefähr bestimmt der Begriff „Zeitenwende“ seit Monaten die Diskussion; auch fand das diesjährige Weltwirtschaftsforum unter dem Motto „Geschichte am Wendepunkt“ statt. 

In vielen Bereichen von Wirtschaft, Politik und Gesellschaft geht es um einen neuen Bedeutungsrahmen für das Vertraute. Um einen neuen Blickwinkel, unter dem wir unser bisheriges Tun betrachten. Dem Neu-Denken folgt das Anders-Entscheiden – und diesem ein anderes, der aktuellen Situation angepasstes Handeln. 

Dieses Neudenken sowie Reframing können zu etwas Neuem führen – oder aber etwas vermeintlich Überwundenes wieder als die Lösung ansehen. Auch wenn dieser Rückgriff auf Rezepte von gestern punktuell und interimsweise zur Lösung beitragen mag – wirklich spannend und zukunftsträchtig ist die Blickrichtung nach vorn. 

Positiv wird das Infrage-Stellen vertrauter Positionen zum Beispiel dann, wenn Unternehmen ihre bisherige Praxis radikal unter der Perspektive der digitalen Transformation betrachten. Wenn sie in diesem komplexen und mit vielen Unsicherheiten behafteten Prozess ihre Geschäfte auf eine neue Stufe heben und zudatengetriebenen Unternehmen werden. Das kann auch bedeuten: Wertschöpfung mit und durch den Einsatz von smarten Technologien wie Big Data, Internet of Things, Künstlicher Intelligenz oder digitalen Ökosystemen erzielen. 

Um eine Art zukunftsorientiertes Reframing handelt es sich auch, wenn in Forschungseinrichtungen völlig neue Wege begangen werden und Wissenschaftler:innen und Ingenieure:innen zum Beispiel in der Batterieforschung bisher nicht gestellte Fragen stellen – und so zu vorher undenkbaren, revolutionären Lösungen gelangen. 

Mobilfunknetze sind etwas, von dem wir gewohnt sind, dass sie einen immer größeren Datendurchsatz ermöglichen und von Generation zu Generation immer schneller werden. Doch beim 6G-Netz wird das Mobilfunknetz selbst neu gedacht und in seinen Grundfunktionen erweitert. In einer Weise, die man in ihren Auswirkungen auf die Wirtschaft wie auch auf unser Leben als revolutionär bezeichnen kann. 

Bis vor einigen Jahrzehnten war die Raumfahrt nur staatlichen und wissenschaftlichen Institutionen vorbehalten. Seit knapp 20 Jahren entwickelt sie sich als private Raumfahrt zu einem Big Player der ganz eigenen Art. Zwei Fragen von vielen: Welche Lösungen für unsere irdischen Herausforderungen liegen oben im Weltall? Ist interplanetare Menschheit Spinnerei, ein Traum – oder doch denkbare Möglichkeit? 

Auch in Forschung und Wissenschaft herrschen eingefahrene Denk-Loipen, deren spiegelbildliche Entsprechungen die Denk-Verbote sind. Vor allem die Pandemie hat uns gezeigt, wie unterschiedlich die gleichen Fakten von mehreren Wissenschaftler:innen beurteilt werden und wie aus ergebnisoffenem Diskurs ein medial ausgetragener Dissens werden kann. Was bleibt, ist eine verunsicherte Öffentlichkeit. Wie hier der richtige Umgang mit solchen Filterblasen und mit dem medialen Hang zur Negativität aussehen kann, zeigt nicht zuletzt die neurowissenschaftliche Forschung. 

Kein Unternehmen kommt um die Frage herum, welche Voraussetzungen es intern schaffen muss, damit neue Blickwinkel und neue Perspektiven überhaupt gelingen können. Wie es eine innovationsfördernde Unternehmens- und Fehlerkultur entwickeln sowie Vertrauen aufbauen kann. Denn ganz gleich, ob als Denken, Entscheiden oder Tun – ausschlaggebend für das Neue ist, was in den Köpfen der Mitarbeiter und des Managements passiert.

Ein weiter Bogen an Themen, neuen Blickwinkeln und Perspektivwechseln. Die Petersberger Gespräche® werden auch in diesem Jahr alles dafür tun, um einen offenen Diskurs unter allen Teilnehmer:innen zu ermöglichen. Ein wichtiges Ziel unseres Kongresses wäre erreicht, wenn aus dem Dialog und den Diskussionen neue Sichtweisen entstehen, die zum Neu-Denken und zum Anders-Handeln in der unternehmerischen Praxis führen.