Prof. Dr. Dr. Udo Di Fabio

Prof. Dr. iur. Dr. sc. pol. Udo Di Fabio, Direktor des Forschungskollegs normative Gesellschaftsgrundlagen der Universität Bonn, 1999 bis 2011 Richter des Bundesverfassungsgerichts im Zweiten Senat, dort zuständig für Völker- und Europarecht sowie Parlamentsrecht. Juristische und gesellschaftsanalytische Publikationen u.a.: Das Recht offener Staaten, Mohr Siebeck 1998; Die Kultur der Freiheit, C.H. Beck 2005; Herrschaft und Gesellschaft, Mohr Siebeck 2018; Die Weimarer Verfassung, C.H. Beck 2018; Coronabilanz, C.H. Beck 2021; Verfeindlichung. Demokratien am Ende des freundlichen Zeitalters, C.H. Beck 2026.


Die Zukunft der Demokratie.

Die Demokratie ist weltweit unter Druck. Spaltung, Populismus und Verfeindlichung nehmen zu. Die multilaterale regelbasierte Ordnung mutet an, als läge sie in Trümmern. Die robuste Wahrnehmung von Wirtschaftsinteressen durch Großmächte zwingen die EU und Deutschland, sich grundlegend neu aufzustellen. Es geht darum, Technologieführerschaft, Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit zurückzugewinnen, damit Wohlstand erhalten bleibt und politisches Gewicht wie Verteidigungsfähigkeit errungen wird.

Die im Kern immer noch starke und innovative deutsche Wirtschaft leidet unter Überregulierung, Kostendruck, Qualifikationsrückgängen, Skalierungshindernissen und relativer Kapitalschwäche. Der Staat hat in der Prosperitätsphase soziale Leistungsangebote ausgedehnt und öffentliche Infrastruktur vernachlässigt. Heute drohen wachsende Staatsverschuldung, leistungshemmende Ungleichgewichte zwischen Arbeitsmarkt und Grundsicherung, Verlust gewerblicher Arbeitsplätze: eine Entwicklung, die die Akzeptanz demokratischen Regierens schwinden lässt. Der Vortrag kreist um die Frage, wie die Demokratie stabilisiert werden kann und mit welchen Ideen das Land mit der EU gemeinsam wieder technologisch und produktiv nach vorn gelangt.