Frank Rieger

Frank Rieger, Jahrgang 1971, ist technischer Geschäftsführer eines Unternehmens für Kommunikationssicherheit. Er ist Mitgründer erfolgreicher deutscher Startup-Unternehmen in den Bereichen mobile und ortsbezogene Informationsdienste, und Datensicherheit und seit mehr als fünfzehn Jahren in technischen Führungspositionen tätig. Seit 1990 ist er im Chaos Computer Club aktiv und einer der Sprecher des weltweit größten Hackervereins.
Frank Rieger schreibt u.a. für die Frankfurter Allgemeine Zeitung und Lettre International vielbeachtete Artikel zu Themen an der Schnittstelle zwischen Technologie und Gesellschaft. Im April 2011 veröffentlichte er zusammen mit Constanze Kurz das Buch „Die Datenfresser – Wie Internetfirmen und Staat sich unsere persönlichen Daten einverleiben und wie wir die Kontrolle darüber zurückerlangen“ im S. Fischer-Verlag. Im Herbst 2013 erschien das neue Buch des Autorenteams Rieger/Kurz: „Arbeitsfrei – Eine Entdeckungsreise zu den Maschinen, die uns ersetzen.“ im Riemann-Verlag/Random House.

Referent der Petersberger Gespräche 2015


Frank Rieger: Interview


Die nächste Welle – Warum wir aufhören müssen, Technik als solche zu regulieren.

Wir stehen an der Schwelle von Technologiewellen, die es in dieser Geschwindigkeit und Wucht so noch nie gab. Chancen für neue Geschäftsmodelle, Chancen, sich anders zu organisieren, sich neu zu erfinden, Chancen am Wettbewerb vorbei zu ziehen – einerseits. Aber gibt es auch Chancen für die Gesellschaft? Welche Herausforderungen müssen wir meistern, um den technischen Wandel auch zum Erfolg für alle Menschen werden zu lassen? Wie können wir in Technik und Gesellschaft dafür sorgen, dass die Utopien wahr werden, nicht die Dystopien? Der Weg dorthin führt über eine Rückbesinnung auf die Ideale der europäischen Aufklärung. Anstatt weiter kleinteilig die neu aufkommenden technischen Merkmale von Systemen reglementieren zu wollen, müssen wir zu einer Ergebnis- und Prinzipien-orientierten Politik der Regulierung zurückkehren. Was fehlt, ist die pragmatische Abbildung der einst erfolgreichen Prinzipien auf die neuen Randbedingungen. Es gilt, die bereits implementierten und erprobten Vereinbarungen unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens auch für das „digitale“ Leben in vernetzten Systemen mit Hilfe positiver Denkansätze verfügbar zu machen. Sie sind die dringend notwendigen Stabilitätsfaktoren in der von Fortschritt und Innovation überhitzten, chaotischen Welt.